Reiseleben, Heft 6 / 1983

Alex Hinrichsen:

Conversationsbuch für Reisende... oder The Traveller's Manual of Conversation...

In meiner Bibliographie habe ich die deutschen, französischen und englischen Ausgaben kursorisch unter den Bezeichnungen S 7 - S 10 aufgeführt.

Ein glücklicher Zufall stieß mich auf weiterführende Zusammenhänge, die meine Aufmerksamkeit auf sich zogen. Heute sehe ich die Bedeutung der im Titel genannten Bände für die beginnende Verlagsarbeit gewichtiger als bisher.

Wie im Aufsatz von L.L. Boyle (siehe Heft 5, S. 5ff. der "Mitteilungen...") berichtet wurde, hatte Ernst Baedeker den ersten englischen Reiseführer über den Rhein im Jahre 1861 auf den Markt gebracht.

Sein Vater Karl Baedeker hatte aber schon 25 Jahre früher den Kontakt zu englischsprachigen Kunden aufgenommen. Durch die Einführung der Dampfschiffahrt und der bevorzugten Lage von Koblenz wurden Engländer auch seine Kunden. Murray hatte seit 1829 für seine Landsleute Reisehandbücher herausgegeben, später auch ein "Handbook for Travel-Talk". K.B. veröffentlichte im Jahre 1836 "The Traveller's Manual of Conversation in English, German, French and Italian" x zum ersten Mal. Damit schuf er "...a guide for expressing himself clearly and correctly in familiar languages..." Es gab zwar schon Handbücher von Boldoni und Madame de Genlis, aber K.B. wollte seine eigene verkaufbare Veröffentlichung. Er erweiterte das Vokabular und fügte Dialoge an, wie z.B.

"I want my bed warming directly - Ich wünsche mein Bett gleich gewärmt zu haben."

Die englischen Reisenden lud K.B. im Vorwort dieses Buches ein, ihn zu besuchen und jegliche Information in seinem Geschäft zu erhalten:

"The publisher also takes this opportunity of informing the English tourists in the Rhine-provinces, that he is at all times ready to afford any Information to those travellers, who do him the honour to visit his establishment."

Die ersten Ausgaben waren noch nicht im klassischen roten Einband, sie waren auch etwas kleiner und der Umschlag war schmucklos. Ein kleines Rückenschild "Baedeker Manual" machte sie kenntlich. Ob die 3. oder 4. Auflage das Baedeker-Format zum ersten Mal auswies, wird sich noch zeigen müssen.

Als im Jahre 1851 in London die erste "Weltausstellung" im Crystal Palace veranstaltet wurde, hatte Baedeker für die deutschen Reisenden (noch) kein Handbuch zur Verfügung, aber dieses Mal pries er gegenüber den deutschen Buchhändlern das Traveller's Manual an für die Verständigung in England:

"Dieser bewährte Dolmetscher wird bei Reisen nach England gute Dienste leisten können."

Dieses Buch gab es nicht in deutsch oder französisch von Anfang an. Die beiden ersten Auflagen hatten deutsche Untertitel, die dann später unterblieben. Bis zur 16. Auflage von 1862 wurden nur englische Titel verwendet, ab der 17. Auflage englische, deutsche und französische (Conversationsbuch..., Manuel de Conversation...). Der Umfang des Hauptteils änderte sich von 320 auf 331 Seiten. Die 17. Auflage ist als die erste "Stereotyp"Ausgabe, d.h. nur das Titelblatt mit Vorspann und die Aufschrift auf dem Umschlag lassen die Unterscheidung zu.

In einer Anzeige vom 1.3.1861 wird "the Traveller's manual of Conversation...", 14.Auflage, folgendermaßen den Buchhändlern empfohlen:

"...wird gewiss Mancher zur Reise nach Italien gern mitnehmen. Ich ersuche Sie daher, dies Büchlein besonders solchen Reisenden, welche der italienischen Sprache weniger mächtig, geneigtest empfehlen zu wollen..."

Wir wissen, daß diese Anzeige parallel mit der Herausgabe des 1. Italienbandes erschien.

Die Auflagenbezeichnungen werden bei allen drei Ausgaben - wie bei Baedeker-Ausgaben allgemein üblich - bis zur 23. Auflage von 1876 fortgeführt. Der Begriff "Stereotyp-Ausgabe" wurde zum ersten Mal im Jahre 1869 benutzt. Ohne Auflagenbezeichnung - lediglich als Stereotypausgabe gekennzeichnet - wurden die Bände ab 1880 veröffentlicht. Das Alter läßt sich deshalb lediglich aus dem Vorsatz bestimmen.

Die genaue Bestimmung des Umfanges bereitet gewisse Schwierigkeiten. Die ersten vom Format her kleineren Auflagen hatten XX/352 Seiten, dann später XX/320 Seiten und ab der 17. Auflage IX/331 Seiten. Die ersten Auflagen lassen allerdings Unterschiede in der Anfangspaginierung erkennen. Die 11. Auflage von 1856 weist z.B. folgende Reihenfolge der Seiten auf:

IV/1 nn. Bl./V/ VI/ [IX] X-XX/320 Seiten.

Genau gezählt, ergibt die römische Bezifferung XX Seiten, wobei die ersten IV Seiten die zu der Zeit üblichen Rezensionen aufweisen.

Die 16. Auflage von 1862 weist dieselbe Paginierung auf, allerdings fehlen die ersten IV Seiten, so daß XX/ 352 Seiten nicht ganz korrekt wäre.

Zusammenfassend sei die Feststellung erlaubt, daß Baedeker's Manual of Conversation ein äußerst wichtiges Verlagsobjekt in der Anfangszeit war, um in der Preußischen Rhein-Provinz mit englischen Kunden in Kontakt zu kommen.

x) The Traveller's Manual of Conversation in English, German, French and Italian; together with a copius Vocabulary an those languages; also a Vocabulary and short questions in the Dutch language with translations in English and German; and Tables of the relative value of English, German, French and Dutch coins. Founded upon the Works of Boldoni, Mad. de Genlis, and others. Auch unter dem Titel:

Neues Handbuch für Reisende, enthaltend: Gespräche und ein Wörterbuch, englisch, deutsch, französisch und italienisch; kurze Fragen und ein Wort-Verzeichniss in holländischer Sprache, ins Deutsche und Englische übersetzt; ein Verzeichnis der englischen, deutschen, französischen und holländischen Münzsorten und deren Werth. Nach Boldoni, Mad. de Genlis und Andern. 28 ½ Bogen in 12. auf Patent-Velinpap. in englische Leinwand gebunden.

Alex Hinrichsen: Conversationsbuch für Reisende
In "Reiseleben" Heft 6, S. 18-20.
(Holzminden: Ursula Hinrichsen; 1983)


Falsche BaedekerTable of contentsKritik

Reproduced by kind permission of Alex W. Hinrichsen. All copyrights acknowledged.

© 2004-15 bdkr.com  

bdkr.com P.O.Box 119 Cranbrook Kent TN18 5WB United Kingdom