Reisen und leben, Heft 18 / 1989

Alex W. Hinrichsen:

Zur Werbetätigkeit des Verlages Karl Baedeker

Fritz Baedeker (1844-1925) schrieb einmal in einem Brief, daß für ihn die beste Werbung die guten Reiseführer seien. Die Herausgabe der Bände über Rußland, Griechenland, Palästina und Syrien sowie Ägypten tragen zum guten Ruf der Firma am besten bei. Die gute, gleichbleibende Qualität der Produkte sind die eine Seite, die werbliche Tätigkeit die andere. Diese andere Seite will ich hier untersuchen, und zwar in den Hinweisen auf das Veröffentlichungsprogramm in den Büchern des Verlages, in Anzeigen und bei Rezensionen. Diese Darstellung kann in diesem Rahmen nur beispielhaft sein, da sicherlich nach und nach weitere Angaben gefunden werden, die eine verbesserte Darstellung zulassen werden. Sie beschränkt sich auch auf die Werbung für Reiseführer. Schon bekannte Tatsachen werden im Zusammenhang erwähnt unter Hinweis auf die Veröffentlichungen.

Als Karl Baedeker in Koblenz im Jahre 1827 seine Firma eröffnete, schrieb sein Vater G.D. Baedeker an seine Verlagskollegen, die Bemühungen des Sohnes zu unterstützen. Die erste Werbung für das Verlagsprogramm ist aus dem Jahre 1834 bekannt. Zwei Jahre zuvor hatte Karl Baedeker den Verlag Röhling übernommen und damit eine Reihe von Produkten. Das bekannteste ist die Klein'sche „Rheinreise“ in deutscher und französischer Sprache. Sie wurde von Karl Baedeker mit neuen Titelblättern und einer Rheinlaufkarte versehen, aber ohne Jahresangabe. Die Bände enthalten aber keinen werblichen Hinweis auf weitere Verlagsprodukte. Der erste Hinweis ist von 1834, und zwar in dem bei Baedeker erschienenen Buch „Die Felsensprengungen im Rhein bei Bingen zur Erweiterung des Thalweges im Binger-Loche“ von F. van den Bergh. Der Autor zitiert im Text den Baedeker'schen Nachdruck der „Rheinreise“ (S. 7). Im Anhang ist dann das Angebot abgedruckt.

Es werden die schon oben erwähnte Rheinreise in deutsch und französisch angeboten, und zwar als Baedeker'scher Nachdruck, sowie das als Auszug von der „Rheinreise“ erschienene Bändchen über Koblenz in deutsch und französisch (es darf nach der Beschreibung die Vermutung geäußert werden, daß die Koblenz-Bände nicht nachgedruckt sind, sondern in der Original-Ausgabe des übernommenen Verlages Röhling vertrieben wurden).

Aufschlußreich ist der werbliche Kommentar des Verlegers zur Rheinreise:

"Der Verfasser, ein Rheinländer, im Rheinlande wohnend, dabei Geschichtsforscher vom Fache, liefert ausser schon Bekanntem, zahlreich historisch Neues aus unbenutzten Archivalnachrichten, seltenen Urkunden und handschriftlichen Chroniken. Merkwürdigkeit der Zeit, Interesse der Geschichte, verbindet sich, in blühender Sprache dargestellt, mit dem romantischen der malerischen Landschaft. Keine Burg, kein Flecken, keine Dorfschaft von einiger Bedeutung ist übergangen. Für den Naturfreund sind die schönsten Punkte hervorgehoben, und Reisende, welche das schöne Thal einmal besucht haben, werden durch die lebendige Darstellung sich wieder in dasselbe versetzt glauben; Topograph und Geschäftsmann finden nicht minder das Wichtigste zusammen."

Dieser Kommentar dürfte schon zu Lebzeiten von Prof. J.A. Klein (gest. 1831) verfaßt worden sein, vielleicht als Werbetext zum erstmaligen Erscheinen des Bandes im Jahre 1828. Klein hatte zu der Zeit als Lehrer keine Anstellung, so daß er sich mit dem Rheinführer befassen konnte.

Im Jahre 1835 erscheint die erste Anzeige im 2. Jahrgang des Börsenblattes für den Deutschen Buchhandel, und zwar am 20. Juni für die zweite erweiterte und verbesserte Auflage der Rheinreise sowie für die erste Auflage der „Moselreise“. Die „Rheinreise“ enthält ein ausführliches Verzeichnis der Bücher, die bei Baedeker in Koblenz erschienen sind. Neben den oben genannten Bänden wird auch noch die Beschreibung von Neuwied von Beck aus dem ehemaligen Verlag Röhling angeboten.

Das im Jahre 1836 erschienene Bändchen „The Traveller's Manual of Conversation in Englisch, German, French and Italian...“ wird im Börsenblatt am 8. Juli angezeigt, und zwar mit den vollständigen Titeln in englischer und deutscher Sprache. Das Verlagsverzeichnis in diesem Buch deckt sich inhaltlich mit dem von 1834. Darüber hinaus wirbt der Verleger mit kleinen Einklebezetteln für seine Produkte:

"Ch. Bädeker, Bookseller in Coblenz (Rheinstrasse) recommends to the travellers notice his collection of Guide-Books, Maps etc..."

Die Anzeigen im Börsenblatt berichten von den Neuerscheinungen und den geplanten Veröffentlichungen. Oft dauerte es aber Jahre, bis ein Band erschien. Es wurde z.B. das „Handbuch für Reisende durch Deutschland und die österreichischen Kaiserstaaten“ im Juli 1839 angezeigt; der Band erschien dann endlich Ende 1841 mit dem Ausgabejahr 1842. Der Titel des Buches ist auch etwas abgeändert gegenüber der werblichen Ankündigung: "...und den Österreichischen Kaiserstaat." Der als Bearbeiter für diesen Band vorgesehene Otto von Czarnowsky war der Verfasser des bei Hölscher 1840/41 herausgegebenen Buches „Die Mosel und ihre nächsten Umgebungen von Metz bis Coblenz historisch-topographisch“.

1839 wird in den Rheinischen Provinzialblättern eine Rezension der dritten Auflage der „Rheinreise“ veröffentlicht (siehe dazu: Baedeker-Katalog, S. 16). Zusätzlich zu diesen Werbemöglichkeiten wies der Verleger auch in den Vorworten und Texten seiner Reisehandbücher auf seine Veröffentlichungen hin, d.h. er zitierte die gültigen Auflagen. Gleichzeitig verwahrte sich Baedeker, ihn für Angaben aus der Benutzung älterer Auflagen verantwortlich zu machen.

In den 50er Jahren druckte Baedeker in seinen Reisehandbüchern Rezensionen ab, die u.a. aus der Kölnischen Zeitung, der Preussischen (Adler-) Zeitung, den St. Galler Blättern oder der Augsburger Allgemeinen Zeitung entnommen waren. Dann wurden in diesen Vorblättern vor dem Titel die angebotenen Bände mit Auflage und Erscheinungsjahr abgedruckt; "Urtheile der Presse" folgten. Seit 1859 wurde dann das Verlagsprogramm in den Vorsätzen abgedruckt.

John Murray, der im August 1828 in Koblenz gewesen war und damals Schreiber als den besten Verfasser eines Rheinhandbuches bezeichnete (erste englische Übersetzung im Jahre 1834), weist in seinen Handbooks for Travellers auf Baedeker hin mit dem Bemerken:

"Baedeker, a very intelligent bookseller.... is the publisher of one of the Best Travellers' Manuals of Conversation. He has also translated and printed a German edition of the Hand-books..." (1850).

In dem Aufsatz über Ernst Baedeker weist L.L. Boyle (siehe dazu: Mitteilungen für Baedeker-Freunde, Heft 5/1983) darauf hin, daß um 1860 ein Plakat für die Sortimentsbuchhandlungen hergestellt worden war. Sicher hatte auch der Nachruf zu Karl Baedekers Tod in der Publikumszeitschrift Gartenlaube von 1861 keinen geringen werblichen, wenn auch unbeabsichtigen, Anteil. Dazu sind auch Nachahmungen und Plagiate zu rechnen, die den Verlagsnamen nutzten und damit zur Festigung des Namens Baedeker beitrugen. Das wohl erste Beispiel dürfte die französische Übersetzung des Paris-Bandes von Bohne im Jahre 1860 sein. Kiesslings Berliner Baedeker von 1876/77 dürfte auch das werbliche Feld der Erstausgabe des echten Berlin-Baedekers von 1878 gut vorbereitet haben. Zitate in anderen Büchern zu Baedekers Reisehandbüchern sind Legion (ein Großteil dieses unerschöpflich scheinenden Fundus ist in früheren Heften dieser Schrift veröffentlicht); die frühesten Erwähnungen könnten sowohl in Karl Simrocks Der Rhein (um 1840, mit Hinweis auf Klein's Rheinreise, 3. Auflage von 1839) als auch bei August Lewald nachgelesen werden. Das Malerische Reisehandbuch durch Deutschland und die angränzenden Gegenden zitiert Baedeker im zweiten Teil wie folgt (S. 410):

"Bei Bädecker in Coblenz sind spezielle Beschreibungen der Moselreise und ein Panorama der Mosel von Delkeskamp erschienen. Mit dem Dampfschiffe wird die Reise in einem Tage zurückgelegt. Das Bädecker'sche Handbuch gibt folgende Art an, diese Reise mit bestem Erfolge und größter Lust zurück zu legen." Dann folgt eine knappe Beschreibung.

Andere Buchhändler warben auch für die Reisehandbücher des Verlages, wie folgendes Beispiel zeigt:

Im “Guide de l'Etranger dans Bruxelles“...., 5. Auflage von 1863, der Buchhandlung Kiessling aus Brüssel werden auf dem Rückendeckel die Reisehandbücher mit den Worten: "Les excellents manuels publiés par M. Baedeker" angeboten.

Die Buchbesprechungen deuten schon sehr früh auf einen möglichen Versand von Besprechungsexemplaren durch den Verlag hin. In den seit 1855 erscheinenden Petermann's Mitteilungen im Verlag Justus Perthes aus Gotha werden unter der Rubrik "Neueste Geographische Literatur" die Neuauflagen von „Deutschland“ (8. Auflage), der „Rheinlande“ (10. Auflage) und über „Holland und Belgien“ (6. Auflage) genannt (siehe dazu: Baedeker-Katalog, S. 17).

Es wurden aber auch Anzeigen in Publikumszeitschriften aufgegeben, wie das nachstehende Beispiel aus dem Jahre 1873 zeigt:

(picture to be added)

Zu beachten ist der feine Unterschied bei den Bänden über Süddeutschland und Österreich bzw. Österreich-Ungarn: Einmal werden sie ohne und dann mit der Gratisbeilage zur Wiener Weltausstellung von 1873 (wahrscheinlich zu einem etwas späteren Zeitpunkt) angeboten.

Auch Beteiligungen auf Ausstellungen trugen zum Bekanntheitsgrad bei. Die Teilnahme des Verlages an der Internationalen Ausstellung von Philadelphia erfolgte in der Abteilung III: Collectivausstellung des deutschen Buchhandels und des Druckgewerbes, u.a. zusammen mit Hirzel, Langenscheidt, Perthes. Zur BUGRA 1914 in Leipzig erschien ein mehrseitiger Prospekt; außerdem war der Verlag mit einem Stand auf der Messe vertreten. Anzeigen blieben aber in der Zeit Fritz Baedekers die Ausnahme; bekannt ist die einseitige Anzeige in der Jubiläumsnummer vom Mai 1925 zum 100jährigen Bestehen des Börsenvereins. Um die Jahrhundertwende kamen vermehrt touristische Zeitschriften auf, aber auch darin erschienen keine Anzeigen. Die bekanntesten waren „Wandern und Reisen“ (seit 1903), „Deutschland“ (seit 1909) als Verbandsorgan des Bundes Deutscher Verkehrsvereine und „Weserland“ (seit 1911). Es finden sich immer nur Besprechungen wie z.B. von Dr. Paul Schubring in „Wandern und Reisen“, der am Band über Unteritalien (13. Auflage/1902) mitgearbeitet hatte. Es finden sich aber auch immer kürzere Rezensionen, da die Neuauflagen der Bände über Schweiz, Italien oder Südbayern in zu regelmäßiger Folge erscheinen. In den 30er Jahren werden hin und wieder kleine Anzeigen geschaltet (siehe dazu in: Baedeker-Katalog S. 8).

Nicht nur in der „Gartenlaube“ von 1861 wurde über den Verlag in Aufsätzen berichtet. In fast regelmäßig zu nennenden Abständen haben Autoren in Zeitungen und Zeitschriften für den Verlag Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Dieses kommt immer dem Verlag zugute. Beispiele sind die Aufsätze im „New Yorker“, in „Du“ und zu verschiedenen Jubiläen, wie z.B. der Jahre 1927 oder 1977.

Nicht vergessen werden dürfen die vierseitigen Werbeblätter aus den zwanziger Jahren, die die Einteilung der deutschen Regionalbände darstellten. Auch in Anzeigenanhängen von einigen Regionalbänden findet sich Werbung, wie z.B. im Band „Oberbayern“ von 1921 auf den S. 27, 37 und 40 (die Lieferanten Grimme & Trömel und Wagner & Debes sind auch vertreten).

Als der erste Autoreiseführer im Jahre 1938 erschien, wurden Bestellkarten entwickelt, die für Clubmitglieder des DDAC und für Nichtmitglieder vertrieben wurden (abgebildet in Heft 11 von REISELEBEN). Werbung durch Freistempler durch den Verlag Karl Baedeker ist mir nicht bekannt im Gegensatz zu den Firmen Grieben und B.I. (Meyers Reisebücher), von denen ich Nachweise aus den Jahren zwischen 1933 und 1941 habe.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde vielfältige Werbung durch Prospekte, Anzeigen und Verkaufshilfen betrieben, die auch heute eingesetzt werden. Die umfangreichen Kataloge, die bei den Buchhändlern kostenlos abgegeben werden, zeigen es. Zum Abschluß dieses Aufsatzes darf der Text aus der Fachzeitschrift Der Fremdenverkehr von 1953 zitiert werden: "BAEDEKER hilft dem Fremdenverkehr. Wer mit BAEDEKER reist, will alles sehen, bleibt länger, läßt mehr sitzen. Darum: Baedeker verkaufen!

Ein neuer Prospekt, der in München vorbereitet wird, soll demnächst erscheinen. Dazu hat uns die Redaktion gebeten, folgenden Text zu veröffentlichen (wir kommen dieser Bitte gerne nach):

An alle Baedeker-Freunde und Sammler:

Der Karl Baedeker Verlag plant die Herausgabe einer vierfarbigen Broschüre über Baedeker, seine Geschichte und Bedeutung. Das Projekt mit dem Arbeitstitel "Baedeker-Profil" soll gezielt für die Pressearbeit des Verlages eingesetzt werden. Inhaltlich kommen u.a. Themen zur Sprache wie Gründungsgeschichte, Baedeker früher und heute, Gastronomie/Hotellerie, Baedekerreisende/Land und Leute, Baedeker-Sterne, Baedekeriana und Sammler, Zitate und Plagiate. Zur Auflockerung des Textteils sind vielseitige Abbildungen vorgesehen.

G e s u c h t wird noch Abbildungsmaterial. Willkommen ist Kurioses oder Humoristisches, Witziges oder Ernstes, Foto oder Souvenir zum Thema Reisen und Baedeker. Wer zur Illustration der Baedeker-Broschüre beitragen kann, wird gebeten, sich direkt an den Verlag zu wenden: Karl. Baedeker GmbH Neusser Str. 3 D-8000 München 40

IMPULSE, Heft 4/89, veröffentlichte folgenden Artikel:

"Von Eilpostwagen, Plumeaus und maghrebinischen Trinkgeldern. Die reizvolle Wiederentdeckung der alten Reiseführer."

(Natürlich auch über BAEDEKER). Kopien sind bei uns erhältlich.

Alex W. Hinrichsen: Zur Werbetätigkeit des Verlages Karl Baedeker
In "Reisen und leben" Heft 18, S. 9-14.
(Holzminden: Ursula Hinrichsen; 1989)
ISSN 0936-627X


H. G. Lolling und der Baedeker von GriechenlandTable of contentsIwan Tschudi und die Gasthofsternchen

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